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Buch zum Thema

Februar und März 2014 | A1/Sittensen | Fahrtrichtung Bremen

Ich bin dir näher als du glaubst.  — Gott

Am 14. April 1912 um 23.40 Uhr kollidierte die angeblich unsinkbare Titanic auf ihrer Jungfernfahrt mit einem Eisberg und sank nach zwei Stunden und vierzig Minuten in die Tiefe des eisigen Meeres. Ein herbeigeeiltes Schiff konnte noch 712 Menschen an Bord holen, 1517 Menschen wurden mit dem zuletzt rasch sinkenden Dampfer in den Tod gerissen. Zuerst hatte die Bordkapelle noch lustige Weisen gespielt, um die Passagiere bei Laune zu halten, doch dann spielte sie das berühmt gewordene geistliche Lied: „Näher mein Gott zu dir, näher zu dir“ immer wieder und wieder. Viele der Reisenden kannten den Text des in amerikanischen Kirchen bekannten Liedes, manche sangen sogar mit. Es haben sich erschütternde Szenen abgespielt. Vor einigen Jahren hat ein vielfach preisgekrönter Film an das damals die Welt erschütterndes Ereignis erinnert. Wie der furchtbare „11.9.“ in New York, als die Türme stürzten.

Unser Leben verläuft Gott sei Dank nicht in Katastrophen dieser Art, doch die Frage, ob Gott ist, ob er nahe ist, ob er mir nahe ist, hat zu allen Zeiten Menschen bewegt. Oft in großen Lebensnöten, doch auch auf der Ebene unserer alltäglichen Erfahrungen. „Ich bin dir näher als du glaubst“ verspricht Gott. Das mag mancher wie eine Drohung empfinden. So wie ein Bösewicht, dem die Polizei auf den Hacken ist. Gewiss ist des Menschen Begegnung mit Gott kein Kinderspiel, es steht alles auf dem Spiel. Doch Gott ist nicht unser Verfolger, sondern ein Sucher, der uns im Leben wie im Sterben helfen will. „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.“ Das sagt nicht ein „Opa-Gott“, sondern der Schöpfer und Retter unseres Lebens. Er will seine Menschen auf keinen Fall verlieren, sie sollen nicht verloren gehen. Das ist abzulesen an Jesus und seiner Botschaft. Der Satz über dieser Kolumne ist von der Bibel gefüllt.

Der Glaube weiß von der Nähe Gottes und erzählt davon. In den großen Gebeten Israels, die von Christen dankbar gelesen und gebetet werden, sagt jemand zu Gott: „ Herr, du erforschst mich und kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ In immer neuen Wendungen spricht der große Psalm 139 von der Nähe Gottes und seiner Begleitung durch schöne und schwere Tage. Das ist mehr als das Wort „Schicksal“ zu sagen vermag. Es hält im Gegenteil ab vom dankbaren Vertrauen auf Gottes Begleitung. Jesus, der Bevollmächtigte Gottes hat seine Gegenwart wie in einem Schwur zugesagt: „Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Gott ist uns nahe, er wohnt in allen, die ihm vertrauen. Er umgibt uns wie die Luft, wie das Licht der Sonne. So nahe kommt uns Gott und wir Menschenkinder dürfen staunen. Glauben heißt staunen. Gottes Zusagen stehen, wir dürfen ihm vertrauen, wo immer wir sind. Gott ist uns nahe und wir können beten „näher mein Gott zu dir.“ 

Johannes Hansen